Warum wir seit drei Wochen nichts berichtet haben? Nicht wegen Erlebnisknappheit, sondern weil immer was dazwischen kam. Jetzt aber:
Zum Leben in Riobamba: Um das Schlechte vorwegzunehmen, muss an dieser Stelle erwaehnt werden, dass seit wir hier sind vier Schueler "weg" sind. Zwei Jungs (etwa 13,14 Jahre) sind wegem schlechtem Verhalten von der Schule geflogen, einer (12) wurde beim Volleyballspielen vom Auto ueberfahren und einer (13, 14) beging Selbstmord (er erhaengte sich mitten am Tag in seinem Zimmer und keiner weiss warum). Uns haben diese Nachrichten sehr geschockt, die Leute hier koennen aber anscheinend recht schnell darueber hinwegsehen.
Dann wurden wir endlich mal zu einer sogenannten "visita" (Besuch bei den Familien der Schueler) mitgenommen. So trabten wir ueber drei Stunden ueber Stock und Stein, den drei Schuelern um die es ging und der Lehrerin Marta hinterher. Schon bei der ersten Familie fuehlten wir uns nicht wohl, weil sich der Familienvater ganz offensichtlich fuer seine Lebensverhaeltnisse schaemte (obwohl sie auf keinen Fall zu den ganz armen gehoeren, denn sie haben eigene Felder, das Haus ist ok und gehoert denen etc...). Weiter gings im vollen Regenschauer (wir hatten Regenjacken, Martas Frisur und Schminke erlitt Schaden, was uns irgendwie amuesierte) zur zweiten Familie, wo es aehnlich wie bei der ersten zuging, der Vater (der eine Hand in nem Minenfeld verloren hat) war allerdings deutlich offener. Nachdem wir dann das groesste Stueck unseres Marschs hinter uns gebracht hatten, landeten wir bei einer waschechten, armen Indigena Familie.
Am Wochenende machten wir uns auf nach Guano (Kaff unweit von Riobamba), wo es schoenes Kunsthandwerk, sprich Ledersachen, Holz, ... gab.
Am Samstagabend trauten wir uns dann tatsaechlich in eine Disko in Riobamba, wo wir der Hingucker schlechthin waren. Das lag daran, dass wir natuerlich anders aussehen, anders tanzen (hier tanzen ALLE paarweise) und zwei Maedels ohne maennliche Begleitung waren. Aber natuerlich blieben wir nicht lange alleine.
Todesmutig statteten wir letzte Woche dem bekanntesten (warum wohl?) Friseur Riobambas einen Besuch ab. Dort wurden wir von Tunten, Schwulen und einer supergelangweilten Angestellten in wenigen Minuten verunstaltet. Haarewaschen ist nicht, das Schneiden dauert keine zehn Minuten, das Foehnen mit einer Buerste in der noch andere Haare haengen ist dafuer sehr ausfuehrlich und der ganze Spass kostet auch noch fuenfmal so viel wie bei anderen Friseuren hier. Angeblich weil sie extravagantere Frisuren schneiden koennen, was sich bei uns dadurch zeigte, dass sie unseren Pony verhunsten.
Was auch noch "lustig" war ist, dass letzten Freitag ploetzlich Wasserhaehne und Klospuelung in unserer Wohnung streikten. Nichts boeses ahnend (jeden Mittag wird uns ein zwei Stunden das Wasser abgestellt) stellte Madeleine Erkundigungen an und kam mit der Hiobsbotschaft, dass wir bis am naechsten Morgen kein fliessendes Wasser haben wuerden, wieder (der Behaelter auf dem Berg wurde gereinigt). Aber natuerlich hielt es keine fuer noetig uns darueber zu informieren. Also gingen wir (fast) nicht mehr aufs Klo, spuelten nicht ab, liessen das Geschirr dreckig stehen und hatten dreckige Haende. Dementsprechend fuehlten wir uns, als wir am naechsten Morgen frueh zu unserem fuenftaegigen Trip nach Cuenca starteten. Don Roberto hatte unaufgefordert ein Taxi fuer uns gerufen das uns zum "Terminal Terrestre", dem Busbahnhof brachte und wir trugen ihm auf, die Klospuelung zu betaetigen, sobald wieder Wasser kaeme (iiiiiihhhhhhhhhh!!!) was er auch machte.
Die Busfahrt war spektakulaer (wahnsinniges Panorama!! Ueberholmanoever: Bus ueberholt prinzipiell Autos, Bus ueberholt vor Kurven, auch wenn sie steil bergab gehen, Bus faehrt schnell) aber wir gewoehnen uns daran. Im Hostel (das billigste in Cuenca weil alle wegen der dortigen Fest- und Feiertage aufgeschlagen hatten) wurden wir dann von der Besitzerin wie alte Bekannte begruesst und dann nahmen wir die Oertlichkeit genauer in Augenschein. Es stellte sich heraus, dass es ein typisches Backpackerhostel war und ziemlich simpel ausgestattet war: Weder in unserem Bad auf dem Stockwerk noch im Zimmer befand sich ein Spiegel *grrrr*. Aber wir reklamierten und bekamen Omas Spiegel. Im Hostel bebte der Boden, es war laut weil die Deutschen (sehr unsympathisch) und alle anderen (besoffen) die Treppe hoch- und runtertrampelten,... Die raubten uns einfach unseren Schoenheitsschlaf! Die Stadt ist total anders als Riobamba, beeindruckend: Erstens ist es ziemlich sauber (man sieht putzende Menschen), zweitens hat es kaum Indígenas und Tiere auf der Strasse (hier in R. geht man schon mal mit einem Schwein spazieren oder es kommt ein Ochse um die Ecke) und drittens sind die Busse total modern (es gibt Automaten, um das Geld einzuwerfen und kein Busjunge schreit, wohin es geht). Wir sind einfach drauflosgelaufen, haben die schoenen Gebaeude und Kirchen in der Altstadt bestaunt, vor der Kathedrale einigen Strassenkuenstlern zugeschaut (Misstrauen wegen Leuten die auf Maddys Cam schauten!) und in den tollen Laeden mit Artesanías (Kunstandwerk) zugeschlagen. Als wir neugierig in ein Gebaeude namens "Casa del Coco" schauten wurde ein Hutverkaeufer auf uns aufmerksam und bot uns eine kleine private Tour durch das koloniale Haus. Am Abend waren wir in einer stylishen Mexiko Bar mit verkleideten Bedienungen Pizza essen. Ausserdem verputzten wir eines Abends zwei Doener (waren eher halbe Yufkas), tranken Canelazo (warmer Zuckerrohrschnaps, hat geschmeckt) und tanzten bei einem Strassenkonzert wo wir auch Freunde fanden (zwei Typen von der Kueste, der Arbeit wegen in Cuenca). Tags darauf, als es schon dunkel war, schleppten unsere neuen Freunde uns zu einem wacklig aussehenden Jahrmarkt. Die "Achterbahn" war zwar langsam, nicht hoch und nichts gegen Silverstar, aber die Konstruktionen....AAAAANGST! Wir habens aber ueberlebt und stuerzten uns dann ins naechste Abenteuer: Eine Bahn, die aussah wie ein Salto, wo man in einem Wagen sitzt, der vor und zuruck faehrt und dabei immer mehr an Hoehe gewinnt bis man oben einmal auf dem Kopf steht und bei der naechsten Runde den Salto macht. Es war wirklich grauenhaft und Sarah dachte, ihr letztes Stuendlein habe geschlagen. Die Sicherung war der Hammer. Man war zwar in diesem Waegelchen in einer Art Kaefig, aber sonst hatte man nur einen gepolsterten Metallstab ueber der Huefte, und zwar mit so grossem Abstand, dass man durchrutschen konnte. Oben in dem Wagen war die "Decke" auch extra gepolstert, hinterher wussten wir warum. Weil man ja eben durchrutschen konnte, und dann stiess man mit dem Kopf an die Decke. Bei uns war das aber nicht der Fall, denn wir klammerten uns verkrampft mit Armen und Beinen an allem fest. Wir hatten ja noch nicht genug Angst (hahaha), also stellten wir uns bei der naechsten Bahn an, allerdings machten wir dann ziemlich schnell einen Rueckzieher, als ein Teil von der Bahn runterfiel und eine Frau, die eben in der Bahn gesessen war, sich beim Aussteigen den Kopf hielt. Viva Ecuador!
Am Donnerstag fand ein sogenannets "desfile", eine Parade, an der verschiedene Schulen teilnehmen um sich zu zeigen,.statt. Alle waren wunderhuebsch hergerichtet, in ihren besten Uniformen, Lehrer und Schueler, nur Madeleine und Sarah trampelten in auffaelliger Groesse und alles andere als in schoenheitlicher Bestform dem Zug durch die Strassen hinterher. Aber immerhin konnten wir den Militaerschritt (quier (linker Fuss), dos, tres, cuatro, maaaaaaaaaaaaaaarcha, seit, ran, vor), den die Lehrer aus Faulheit nicht mitmachten. Anschliessend rannten alle Lehrer und wir in ein Restaurant, wo es hornado gab. Das ist eine riobambenische Spezialitaet, bestehend aus Kartoffeln, gekochtem (weiss und aufgeblaeht) Mais, Salat, Schwein (das man in voller Lebensgroesse und mit ALLEM drum und dran beim Eintreten ins Restaurant auf dem Grill bestaunen kann) und Ají (scharfes rotes Pepperonizeug, bei Konsum davon hat man das Gefuehl zu verbrennen). Das war unser Mittagessen am Freitag, um 10:30 Uhr. Um 11:30 Uhr (alle weiblichen Wesen ausser wir hatten schon die Flucht ergriffen) kam dann der erste Krug komisches alkoholisches Getraenk (Schnaps, Bier, Eier..) und nach der dritten Karaffe waren alle gut dabei, sogar der anstaendige Kodirektor José Luis entschwand ploetzlich sitzend in seine Traumwelt. Doch uns gings noch gut, wir konnten sogar alleine mit dem Bus heimfahren, obwohl uns die Lehrer in ein Taxi setzen wollten, wir wollen halt immer sparen.
Und hier mal einige Bilder... viel Spass beim Angucken:-D
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| Unser Hostelzimmer in Cuenca - La nostra habitació en el hostal a Cuenca |
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| Cuencas schmutzfreie Strassen - Calles netes de Cuenca |
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| beim Schuheputzen - deixant netejar les sabates, després estaven grogues |
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| Artesanía Laden - Botiga d'artesanás |
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| Mexiko Bar - barra mexica |
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| 5er der Grundschule - primaria |
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| Sarahs Lieblinge - estudiants favoritas de Sarah |
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| Exkursion mit der Achtern - Excursió amb els de 8é |
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| Mittagessenszeit - hora de dinar |
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| 9er Theater - teatre amb 9é |
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| Kochlehrlinge - estudiants de cocina |
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| Schreinerei - ebanistería |
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| Visita bei der Indígena Familie - Visita a una familie de indígenas |
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| Exkursion mit den 8ern - Excursió amb 8é |
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| Mechaniklehrer Pancho - "Licenciado" Pancho |
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| Riobamba |
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| Loch direkt vor der Disse, da will man doch keinesfalls besoffen sein! - Forat directament endavant de la disco, jo no vull passar borracha! |
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| Riobamba |
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| Nahverkehrsbus - bus de la ciutat |
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| Blick auf Chimborazo, wunderschoen! - Vista a l Chimborazo, magnífic! |
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| Blick auf Altar - Vista al Altar |
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| Parque Sucre in (a) Riobamba |
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| Exkursion mit den 8ern - Excursió am 8é |
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| Kurz vorm Desfile (Parade) - Poc abans de fer un desfile a través de la ciutat |
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| Paúl und Diego aus der Zehnten, absolute Lieblinge!!! - Paúl i Diego, dos nois que m'encanten!! |
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| Daniel |
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| Carmita |
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| Die schweiz-franzoesische Familie: Ivan und Sophie - Familia de suissa, part francesa |
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| Mjamjam |
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| José Luís, Daniel, Mauro (noch bei Sinnen - sense haver begut alcool (eren les 11 del matí) |
Hey ihr 2!
AntwortenLöschenWie siehts aus? Abschiedsschmerz überwunden, sich alles von der Seele geschrieben und jetzt schläft der Blog ein? ;)
Mensch, Mensch, Mensch ... .
Tim
Heyho! Es sieht gut aus (welcher Abschiedsschmerz ;-) ;-) ;-) )! Und der Blog schlaeft nicht ein, sondern wir sind abenteueraermer geworden, dh erst mal sammeln, dass es auch wieder fuer ein eintrag reicht! Kommt scho wieder!
AntwortenLöschenSchau dass nicht im Schnee stecken bleibst waehrnd wir uns sonnen, gell :-)